Handgeknüpfte Teppiche – Schmuckstücke und Wertanlagen aus dem Orient

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Ein handgeknüpfter Orientteppich als Blickfang – aber wie erkennt man einen echten Perserteppich?

Handgeknüpfte Perserteppiche, aus Stoffen wie Wolle oder Seide, sind beliebte Wohnaccessoires, um einem Raum dekorative Akzente zu verleihen. Auf dem Boden und als Wandbehang ziehen sie mit ihren bunten, feinen Musterungen die Blicke auf sich. Ihre orientalische Exotik kann einen bewussten Kontrastpunkt in einem ansonsten minimalistisch eingerichteten Wohnraum setzen oder auch eine opulente Einrichtung zusätzlich unterstreichen. Vor dem Kauf alter Orientteppiche stellt sich allerdings regelmäßig eine Frage: Woran erkennt man einen echten Teppich? Um diese traditionsreichen, mit viel Hingabe gefertigten Kunstwerke von Massenware zu unterscheiden, braucht es nicht gleich einen Experten. Mit etwas Aufmerksamkeit und den Tipps aus diesem Artikel kann sich jeder versichern, ob ein Perser-Teppich echt ist oder nicht und somit antike Perserteppiche zuverlässig von Nachknüpfungen oder Industrieprodukten unterscheiden.

Die wichtige Frage der Herkunft

Das Herkunftsland ist ein erstes Indiz für die Qualität eines Teppichs. Daher sollten entsprechende Informationen beim Kauf eines Teppichs auf keinen Fall fehlen. Ein echter Orientteppich kann aus dem türkischen Westen oder dem fernen China stammen. Der oft synonym genutzte Begriff des Perserteppichs bezeichnet dagegen streng betrachtet nur solche Teppiche, die tatsächlich aus dem persischen Raum stammen. Klassische Herkunftsländer sind hier der Iran – mit den bekannten Keshan-Teppichen aus Isfahan sowie den handgeknüpften Perserteppichen aus Provinzen wie Kerman oder Shiraz – und Afghanistan mit der Teppich-Hochburg rund um Herat. Viele Teppiche aus diesen Regionen, typische Kelims, sind gleich an ihrem durchgezogenen Schussfaden erkennbar, der auf beiden Teppichseiten das Muster bildet.
Die Seidenteppiche der Türkei gelten ebenso als klassische Orientteppiche wie Werke aus dem Süden Russlands. Nepal-Teppiche gehören auch zu den Orientteppichen, sind aber allesamt jüngeren Datums, da das Teppichknüpfen hier noch nicht so lange verbreitet ist. In China hat dieses Handwerk dagegen jahrhundertealte Wurzeln. Gleichzeitig ist das Land aber auch für einen Großteil der günstigen Nachknüpfungen auf dem Markt verantwortlich und liefert maschinell hergestellte Produkte in die ganze Welt. Solche wenig antiken Teppiche kommen heute oft auch aus Indien oder Pakistan und dem Norden Afrikas. Für den Handel mit nachgeknüpften Teppichen aus Indien und Pakistan sieht das EU-Recht sogar bereits einen ausdrücklichen Hinweis mit dem Zusatz „Indo“ vor.

Hier erhalten Sie weitere Informationen, wie Sie bei einem Orientteppich die Herkunft bestimmen können:

Nachgeknüpfte und originale Perserteppiche

Es spricht nichts gegen den Kauf nachgeknüpfter Teppiche. Sie sind genauso von Hand gefertigt wie ein Original aus den traditionellen Herkunftsgebieten alter Orientteppiche. Und auch ihr Detailreichtum in den Mustern und die Vielfalt der Mustervariationen müssen sich ebenso wenig hinter antiken Perserteppichen verstecken. Die Qualität von Nachknüpfungen ist in manchen Gesichtspunkten jedoch schlechter als bei Originalen – beispielsweise die verwendeten Materialien oder die Qualität der Knüpftechnik. Das drückt sich schließlich auch im Wert und beim Handel der Teppiche aus, da echte Perserteppiche Preise deutlich über denen der Nachknüpfungen erzielen.
Allein seine Herkunft verschafft manchem Teppich bereits einen gewissen Wert. Die Fertigung in einer bestimmten Region garantiert auch immer gewisse Standards. So werden für Hereke-Seidenteppiche beim Preis gern höhere Summen gezahlt, weil die Herkunft aus dieser türkischen Region bereits eine feine Verarbeitung und die ausschließliche Verwendung von Seide aus Bursa impliziert. Auch in anderen Ländern gibt es solche Herstellungsstätten, deren Name zugleich die Wirkung eines Gütesiegels entfaltet. Alte Orientteppiche galten lange als solide Kapitalanlage, erlebten aber zuletzt trotz anhaltender Nachfrage auf breiter Front einen Preisverfall. Einzelne Stücke werden aber immer noch zu stattlichen Preisen gehandelt und entwickeln mitunter exorbitante Wertsteigerungen. Hier sind oft absolut individuelle Faktoren ausschlaggebend, die bei Orientteppichen den Wert bestimmen. Ebenso individuell muss dann auch die Auswahl des Teppichs sein, wenn er statt Dekoration eine Investition sein soll.

Edle Perserteppiche - Stapel © f/2.8 by ARC

Edle Perserteppiche – Stapel © f/2.8 by ARC

Maschinell statt mit der Hand gefertigt – die wichtigsten Merkmale

Im schlimmsten Fall stellt sich ein vermeintlich alter Orientteppich als maschinell produzierte Massenware heraus. Damit beim Kauf alter Orientteppiche derart böse Überraschungen ausbleiben, genügen ein Blick auf die Rückseite und ein Vergleich von zwei Stellen mit wiederkehrendem Muster. Gibt es hier Unterschiede in den Knotenreihen der Musterungen? Sind die Knoten unterschiedlich groß oder stimmt die Farbfolge nicht immer überein, sind das klare Anzeichen für eine Handarbeit. Bei der riesigen Anzahl von Knoten bleiben solche Fehler oder Asymmetrien nicht aus, wenn ein Teppich von Hand gefertigt wird. Dabei ist es auch nahezu unmöglich, über die ganze Teppichfläche stets identische Maße einzuhalten. Handgefertigte Teppiche zeigen deswegen regelmäßig kleine Abweichungen im Millimeterbereich, wenn man die Breite an verschiedenen Stellen mit einem Maßband vergleicht. Dazu sind bei einem antiken Perserteppich die Fransen immer durch den Kettfaden des Teppichs gebildet, während die Fransen bei Stücken aus maschineller Produktion nachträglich angenäht werden. Zieht man bei so einem Teppich an den Fransen, bewegt sich der in den Teppich verbundene Knoten nicht, während man bei einem durchgängigen Faden aus Handfertigung sofort eine Bewegung erkennen kann.

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